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ETOPS
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top
Unter ETOPS (laut ICAO seit 2012 auch EDTO, siehe Abschnitt âAkronymâ) werden in der Luftfahrt Regularien zusammengefasst, die es Fluggesellschaften erlauben, fĂŒr einen Flug eine Route nĂ€her an der kĂŒrzesten Verbindungslinie zu planen, als es die Standard-Sicherheitsregeln zum Erreichen eines Ausweichflughafens zulassen. Die Regularien werden von den Luftfahrtbehörden FAA, ICAO und EASA festgelegt.
Seit 1976 durfte der Airbus A300, ein nur zweistrahliges GroĂraumflugzeug, im Nordatlantik und im Indischen Ozean unter einer ICAO 90-Minuten-Regel fliegen.cite-ref-3[2.1] Ab 1985 galten die neuen ETOPS Regeln fĂŒr Twinjets, mit ETOPS 90, ab Februar fĂŒr TWA mit Boeing 767 und im Juni fĂŒr Singapore Airlines mit der Langstreckenvariante Airbus A310, die darauf auch von Pan Am auf der Nordatlantikroute eingesetzt wurde. In den Folgejahren wurden Twinjets mit bestimmten Triebwerken fĂŒr 120 oder 180 Minuten zertifiziert und konnten den Trijets und Quadjets mit Kostenvorteilen zahlreiche Flugrouten abnehmen.
Contents
âą Ăberblick
âą Akronym
âą Andere Akronyme
âą Regularien
âą Allgemeines
âą Begriffe
âą Geschichte
âą Kritik
âą Weblinks
⹠PrimÀrquellen
âą Einzelnachweise
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Ăberblick
Nach den Standardregeln (also ohne BerĂŒcksichtigung von ETOPS) dĂŒrfen Flugrouten einen Höchstabstand zum nĂ€chsten Ausweichflughafen nicht ĂŒberschreiten. Dieser Abstand wird in Flugminuten gemessen. Damit soll erreicht werden, dass bei einem Triebwerksausfallcite-ref-4[3] immer noch ein Ausweichflughafen sicher erreicht werden kann. Die ETOPS-Regularien geben nun die Möglichkeit, diese Zeit zum Ausweichflughafen zu âverlĂ€ngernâ, so dass Fluggesellschaften die Route des Fluges verkĂŒrzen können. Um dennoch eine hohe Sicherheit fĂŒr den Flug gewĂ€hrleisten zu können, werden mit den ETOPS-Vorschriften strenge Anforderungen an die Konstruktion der Flugzeuge und der Triebwerke, an die Wartung der Flugzeuge, die Flugvorbereitung und die FlugdurchfĂŒhrung gestellt.
Ziel der ETOPS-Vorschriften ist es, durch technische Vorschriften und prozedurale Vorgaben die Triebwerks-Ausfallwahrscheinlichkeit zu minimieren sowie sicherzustellen, dass im Falle eines Triebwerksausfalls noch ausreichend Sicherheitsreserven verbleiben.cite-ref-6[4.1] Dabei wird ausschlieĂlich der Fall eines Triebwerksausfalls betrachtet. Andere GrĂŒnde fĂŒr eine KursĂ€nderung oder eine vorzeitige Landung (beispielsweise Druckabfall, medizinischer Notfall, Wetter) werden zwar statistisch erfasst, haben aber keine Auswirkungen auf die Festlegung und Anwendung der ETOPS-Vorschriften.cite-ref-8[5.1]
Eine ETOPS-Zertifizierung benötigen sowohl Fluggesellschaften als auch die Flugzeugtypen. Dabei mĂŒssen Fluggesellschaften spezielle ETOPS-Sicherheitsstandards sowohl in der Flugzeugwartung als auch in Flugplanung und -durchfĂŒhrung nachweisen. Flugzeugtypen werden immer zusammen mit dem entsprechenden Triebwerksmodell zertifiziert; ein Flugzeugtyp mit mehreren Triebwerksalternativen benötigt folglich auch mehrere ETOPS-Zertifizierungen. Nur wenn sowohl die Fluggesellschaft als auch die Flugzeug-Triebwerks-Kombination ĂŒber eine gĂŒltige ETOPS-Zulassung verfĂŒgen, kann ein Flug nach ETOPS-Regeln durchgefĂŒhrt werden, sonst nicht.
In der Anfangszeit von ETOPS wurden nur diejenigen Flugzeugtypen betrachtet, die ĂŒber zwei Triebwerke verfĂŒgten. FĂŒr Flugzeugtypen mit mehr Triebwerken, die zu dieser Zeit zugelassen wurden (beispielsweise Airbus A340), brauchten keine HöchstabstĂ€nde zu AusweichflughĂ€fen eingehalten zu werden; fĂŒr sie konnte die Route frei gewĂ€hlt werden. Diese Möglichkeiten bleiben fĂŒr diese Flugzeugtypen weiterhin bestehen (Bestandsschutz). Flugzeugtypen mit mehr als zwei Triebwerken, die nach 2007 zugelassen wurden, fallen jedoch unter die ETOPS-Regularien und mĂŒssen das ETOPS-Zulassungsverfahren durchlaufen (Beispiel: Boeing 747-8).
Akronym
Mittlerweile muss âETOPSâ als eigenstĂ€ndiger Begriff betrachtet werden, ohne dass es eine klare Definition fĂŒr die einzelnen Buchstaben gibt. Es gab im Laufe der Zeit viele Varianten, den einzelnen Buchstaben eine Bedeutung zu geben. Diese Interpretationen haben sich im Laufe der Zeit immer wieder geĂ€ndert; letztlich durchgesetzt hat sich jedoch keine davon. Lediglich das Akronym âETOPSâ selbst hat sich gehalten. Varianten zur Ausformulierung waren:
| Interpretation | verwendet von | Bemerkung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Extended-range Twin-engine Operation(al) Performance Standards | ICAO | | [ 6 ] [ 7.1 ] |
| Extended-range Twin Operations | ICAO | | [ 6 ] [ 8 ] [ 9 ] |
| Extended-range Operations with Two-engine Airplanes | FAA | | [ 7.1 ] |
| Extended Range Operations by Turbine-Engine Aeroplanes | ICAO | | [ 10 ] |
| Extended Range Operations by Aeroplanes with Two Turbine Engines | ICAO | | [ 10 ] [ 7.1 ] |
| Extended Range Operations | FAA, ICAO | FAA bis 1985 | [ 10 ] [ 7.1 ] |
| Extended Twin-Engine Operations | Lufthansa, FAA | FAA 1985â2007 | [ 11 ] |
| Extended Operations | FAA | seit 2007 | [ 10 ] [ 7.1 ] [ 11 ] |
Andere Akronyme
Im gleichen Zusammenhang gibt es weitere Akronyme:
EROPS (Extended Range Operations)
Wird synonym mit ETOPS verwendet und hat zusÀtzlich einige der (passenden) Bedeutungen aus der obigen Tabelle.
LROPS (Long Range Operational Performance Standards)
Dieses Akronym wurde von Airbus erstmals verwendet, als âETOPSâ noch ausschlieĂlich fĂŒr Flugzeuge mit zwei Triebwerken galt, um Flugzeuge mit mehr Triebwerken in die Regularien einzubeziehen. Die EASA hat diese Terminologie ĂŒbernommen.cite-ref-aib-fast32-16-0[12]cite-ref-aib-lrop-17-0[13]cite-ref-airodyssey-12-1[8]
EDTO (Extended Diversion Time Operations)
Die ICAO hat 2012 mit der Ăbernahme der Flugzeuge mit mehr als zwei Triebwerken in die Regularien das neue Akronym âEDTOâ eingefĂŒhrt. Dieses Akronym soll sich langsam durchsetzen; die Verwendung von âETOPSâ ist nach wie vor zulĂ€ssig, und Dokumente mit der Bezeichnung âETOPSâ behalten weiterhin ihre GĂŒltigkeit.cite-ref-18[4.2]
Scherzhafte Interpretationen
FĂŒr zwei dieser Akronyme gibt es scherzhafte Interpretationen, die durchaus populĂ€r wurden. Darunter finden sich:
ETOPS
EROPS
Regularien
ZunĂ€chst einmal muss betont werden, dass ETOPS eine Erweiterung der Möglichkeiten fĂŒr Fluggesellschaften darstellt. Gilt ETOPS nicht, dann gelten die strengeren 60- bzw. 90-Minuten-Regeln.
Es wird immer wieder kolportiert, dass ETOPS nur ĂŒber Meeren oder WĂŒsten gelten wĂŒrden. Das ist nur indirekt und nur teilweise zutreffend. TatsĂ€chlich werden in den offiziellen Regelungen keinerlei Angaben gemacht, welcher Art die ĂŒberflogene ErdoberflĂ€che ist. Lediglich die Entfernung zum nĂ€chsten passenden Flughafen ist ausschlaggebend. Allerdings ist in dicht besiedelten RĂ€umen die Flughafendichte gröĂer, so dass dort ETOPS seltener zur Anwendung kommt, wĂ€hrend in anderen Regionen, die eine deutlich geringere Flughafendichte aufweisen, die ETOPS-Regeln eher zum Tragen kommen.
Allgemeines
Der Höchstabstand zum nĂ€chsten Ausweichflughafen, den die Flugrouten einhalten mĂŒssen, wird in Flugminuten gemessen. Die FAA fordert dabei 60 Minuten fĂŒr Zweistrahler sowie 180 Minuten fĂŒr Drei- und Vierstrahler mit durch einen Triebwerksausfall reduzierter Leistung. Die ICAO und die EASA fordern 90 Minuten fĂŒr alle turbinengetriebenen Flugzeuge, unabhĂ€ngig von der Zahl ihrer Triebwerke und mit voller Leistung aller Triebwerke.cite-ref-20[4.3] Details zur Berechnung der Flugminuten siehe Abschnitt âBegriffeâ.
Mit einer ETOPS-Zertifizierung kann dieser Abstand vergröĂert und damit die Flugroute verkĂŒrzt werden. Um eine solche Zertifizierung zu bekommen, mĂŒssen die Flugzeug- und Triebwerkshersteller bereits bei der Konstruktion besondere technische Sicherheitsbestimmungen umsetzen, und die Fluggesellschaften nachweisen können, dass sie besondere Prozeduren fĂŒr die Wartung, die Flugplanung und -durchfĂŒhrung haben und umsetzen.
Das Konzept von ETOPS ist es, einerseits die Ausfallwahrscheinlichkeit von Triebwerken sowohl durch konstruktive MaĂnahmen als auch durch besondere Vorkehrungen in der Wartung zu minimieren, andererseits im Falle eines Defektes durch geeignete konstruktive Vorkehrungen noch ausreichend Sicherheitsreserven zu haben, sowie den Piloten Richtlinien an die Hand zu geben, mit denen ein Triebwerksausfall bereits bei der Flugplanung berĂŒcksichtigt wird und sie wĂ€hrend des Fluges richtig reagieren können.cite-ref-6-1[4.1]
ETOPS betrachtet dabei nur den Fall eines Triebwerksausfalles. FĂŒr andere Arten von ZwischenfĂ€llen gibt es spezielle Vorschriften, die den jeweiligen Typ von Zwischenfall besonders berĂŒcksichtigen.
Wird die Flugroute âdirekterâ, ist sie damit kĂŒrzer. Es wird daher weniger Kerosin verbraucht und folglich sowohl die Umwelt weniger belastet als auch der Flug wirtschaftlicher. Sollte in bestimmten Regionen ein Flughafen dauerhaft geschlossen werden, kann es sein, dass trotz ETOPS-Zulassung bestimmte Flugverbindungen gestrichen werden mĂŒssen.cite-ref-mtu-report-21-0[15]
Die Regeln, die die Regulierungsbehörden bzw. -organisationen herausgeben, unterscheiden sich im Detail. Beispielsweise fordert die FAA, dass bei ETOPS ein Defibrillator mitgefĂŒhrt wird, die EASA nicht.cite-ref-fliglo-free-22-0[16]cite-ref-fliglo-rest-23-0[17]cite-ref-pilbo-kp-24-0[18] Auch die Terminologie unterscheidet sich erheblich, abhĂ€ngig davon, welche Luftfahrtbehörde sie benutzt. Die FAA hat den Begriff ETOPS seit 2007 auf alle Flugzeuge, unabhĂ€ngig von der Anzahl der Triebwerke, ausgedehnt, die ICAO nennt das Gleiche seit 2012 EDTO, und die EASA meint mit ETOPS nur die Regeln fĂŒr Flugzeuge mit zwei Triebwerken; fĂŒr die anderen Flugzeuge wird das Akronym LROPS verwendet.cite-ref-25[4.4] Und wĂ€hrend die FAA bestimmte Voraussetzungen fĂŒr die Flughafenfeuerwehr fordert, fehlen diese Voraussetzungen in den Vorschriften der EASA.cite-ref-27[19.1] Ebenso die Anwendung auf FrachtflĂŒge: Die FAA-Regeln gelten nur fĂŒr PassagierflĂŒge,cite-ref-faa-ac120-42b-15-2[11] wĂ€hrend die ICAO die Regeln sowohl auf PassagierflĂŒge als auch auf FrachtflĂŒge anwenden will.cite-ref-29[20.1] Das sind nur einige Beispiele fĂŒr die zahlreichen Unterschiede in den Details der ETOPS-Regularien.
Die ETOPS-Zulassung erfolgt in zwei unabhĂ€ngigen Stufen. In der ersten Stufe wird das Flugzeug zusammen mit dem Triebwerksmodell geprĂŒft und bekommt seine Musterzulassung (âType Design Assessmentâ). Diese wird ĂŒblicherweise vom Hersteller des Flugzeugs beantragt. In der zweiten Stufe muss die Fluggesellschaft eine Genehmigung fĂŒr die DurchfĂŒhrung von FlĂŒgen nach ETOPS beantragen und die Dokumente und Prozesse (âOperational Approvalâ) nachweisen (siehe unten in den Abschnitten âfĂŒr die Wartungâ und âfĂŒr die Flugplanungâ). Nur eine Fluggesellschaft mit gĂŒltiger Genehmigung kann mit einem Flugzeugtyp mit gĂŒltiger Zulassung einen Flug nach ETOPS-Regeln durchfĂŒhren.cite-ref-31[21.1]
FĂŒr die Zulassung und Ăberwachung der Fluggesellschaft ist die nationale Luftfahrtbehörde zustĂ€ndig.cite-ref-31-1[21.1]
Begriffe
Flugzeit
Die Einheit fĂŒr ETOPS ist Flugminuten. Es wird fĂŒr jeden geplanten Ausweichflughafen die Flugzeit gemessen, die benötigt wird, um diesen Flughafen zu erreichen, wenn an der ungĂŒnstigsten (zu diesem Flughafen am weitesten entfernten) Stelle der Flugroute ein Triebwerk ausfĂ€llt. Dabei ist zu berĂŒcksichtigen, dass in diesem Fall weder die wirtschaftlichste Flughöhe noch die Fluggeschwindigkeit gehalten werden kann; es muss niedriger und langsamer geflogen werden. Damit erhöht sich der Luftwiderstand und der Treibstoffverbrauch steigt. Unter anderem umfassen die ETOPS-Vorschriften deswegen erhöhte Treibstoffreserven.
Dieser Zusammenhang zwischen der Entfernung zum Ausweichflughafen und der benötigten Zeit mit verringerter Leistung wird fĂŒr jeden Flugzeugtyp individuell ermittelt. Flugzeugtypen mit Mantelstromtriebwerk haben dennoch vergleichbare Flugeigenschaften, so dass fĂŒr die Umrechnung von Flugminuten in Entfernung die Faustregel angenommen werden kann: eine Stunde entspricht etwa 400 NM (ungefĂ€hr 741 km).cite-ref-32[4.5]cite-ref-33[19.2]
Genehmigungen nach ETOPS werden in Einheiten zu 75, 90, 120, 138, 180, 207, 240, 330 und 370 Minuten erteilt. Die âkrummenâ Zahlen von 138 und 207 Minuten kommen zustande, indem die nĂ€chstniedrigere Einheit plus 15 % berechnet wird, siehe Renard-Serie.
Die 138-Minuten-Grenze wird fĂŒr den Atlantik benötigt, die 207-Minuten-Grenze fĂŒr den Pazifik. Mit Limits von 120 Minuten bliebe auf dem Atlantik noch eine kleine âTabuzoneâ ĂŒbrig, die mit ETOPS-138 beflogen werden könnte, ohne auf (teurere) Flugzeugtypen zurĂŒckgreifen zu mĂŒssen, die fĂŒr eine 180-Minuten-Grenze zugelassen sind. FĂŒr den Pazifik ist die 207-Minuten-Grenze insbesondere interessant, falls einer der AusweichflughĂ€fen vorĂŒbergehend geschlossen werden wĂŒrde.cite-ref-gcm-138-34-0[22]cite-ref-gcm-207-35-0[23] Beide Werte waren nur von vorĂŒbergehender Bedeutung; mittlerweile wird in diesen Regionen mit Flugzeugtypen geflogen, die ETOPS-Zulassungen mit höheren Werten aufweisen. Die FAA hat diese 15-Prozent-Regelung aus ihrem Regelwerk im Jahre 2007 entfernt.cite-ref-37[24.1]
ausweichflughafenAusweichflughafen
Vor jedem Flug mĂŒssen die passenden AusweichflughĂ€fen ermittelt werden. Dabei mĂŒssen die Flughafeneigenschaften wie LandebahnlĂ€nge und -tragfĂ€higkeit zu dem geflogenen Flugzeugtyp und dessen Beladung passen. Nach den Regeln der FAA muss die Flughafenfeuerwehr speziellen ETOPS-Kriterien genĂŒgen.cite-ref-27-1[19.1] Als Ausweichflughafen können auch MilitĂ€rbasen der US-LuftstreitkrĂ€fte benutzt werden.cite-ref-wide-avi-38-0[25]
ETOPS fĂŒr Flugzeuge
ETOPS-Zulassungen können nur turbinengetriebene Flugzeuge erhalten,cite-ref-39[24.2] kolbenmotorgetriebene Flugzeuge sind ausgeschlossen. Sowohl Turbinen-Strahltriebwerke als auch Turboprop-Triebwerke sind prinzipiell zulÀssig. Beispielsweise haben die Flugzeugtypen ATR 42 und ATR 72 ETOPS-Zulassungen von 120 Minuten.cite-ref-atr-600-40-0[26]cite-ref-atr-500-41-0[27]cite-ref-easa-atr500-42-0[28] Nach EASA können GeschÀftsreiseflugzeuge ETOPS-Zulassungen erhalten, nach FAA nicht.cite-ref-fliglo-business-43-0[29]cite-ref-deagel-lin1000-44-0[30]cite-ref-propmag-lr-45-0[31]cite-ref-astech-global-46-0[32]cite-ref-easa-bd700-tcds-47-0[33]
In Bezug auf den Zweck der FlĂŒge gibt es Unterschiede in den Regularien der FAA und der ICAO. Die FAA beschrĂ€nkt die GĂŒltigkeit von ETOPS-Regeln auf PassagierflĂŒge,cite-ref-faa-ac120-42b-15-3[11] wĂ€hrend die ICAO die Regeln sowohl auf PassagierflĂŒge als auch auf FrachtflĂŒge anwenden will.cite-ref-29-1[20.1]
ETOPS sind grundsĂ€tzlich Regularien fĂŒr den zivilen Luftverkehr. FlĂŒge der nationalen LuftstreitkrĂ€fte sind sowohl von der strengen 60-Minuten-Regelung als auch von den ETOPS-Erweiterungen ausgenommen. Allerdings sind Ă€hnliche Regelungen in den Dienstvorschriften und den internen Sicherheitsbestimmungen zu finden.cite-ref-aw-tanker-48-0[34]cite-ref-usaf-11-207-49-0[35]cite-ref-ain-tanker-50-0[36] Im militĂ€rischen Kontext ist die Möglichkeit zur Luftbetankung verfĂŒgbar und damit eine theoretisch unendliche Reichweite.
| Flugzeugtyp | Anzahl Triebwerke | ETOPS-Zeit nach FAA (min) | ETOPS-Zeit nach ICAO (min) | ETOPS-Zeit nach EASA (min) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|---|---|
| ATR 42 | 2 PW127 | k. A. | k. A. | 120 [ 26 ] [ 27 ] [ 28 ] | nur Varianten -500 und -600 |
| ATR 72 | 2 PW127 | k. A. | k. A. | 120 [ 26 ] [ 27 ] [ 28 ] | nur Varianten -500 und -600 |
| Airbus A300 -600 | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.1 ] | 180 [ 38 ] | nur Variante -600 |
| Airbus A310 | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.1 ] | 180 [ 38 ] | alle Varianten |
| Airbus-A320-Familie | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.1 ] | k. A. | alle Varianten |
| Airbus A320neo | 2 (alle) | 180 [ 39 ] | k. A. | 180 [ 39 ] | alle Varianten |
| Airbus A330 | 2 (alle) | k. A. | >180 [ 37.1 ] | 240 [ 40 ] | alle Passagier-Varianten |
| Airbus A330 -200F | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.1 ] | k. A. | Fracht-Variante |
| Airbus A340 -200/-300 | 4 CFM56-5C | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | 260 min FeuerunterdrĂŒckung [ 37.3 ] |
| Airbus A340 -500/-600 | 4 RR Trent 500 | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | 285 min FeuerunterdrĂŒckung [ 37.3 ] |
| Airbus A350 | 2 RR Trent XWB | 300 [ 41 ] | >180 [ 37.1 ] | 370 [ 42 ] [ 43 ] | alle Varianten |
| Airbus A380 | 4 (alle) | | frei [ 37.2 ] | k. A. | 240 min FeuerunterdrĂŒckung [ 37.3 ] |
| Boeing 737-200 | 2 JT8D | k. A. | 120 [ 21.2 ] | k. A. | nicht Variante -100 |
| Boeing 737 classic | 2 CFM56-3 | k. A. | 120 [ 21.2 ] | k. A. | Varianten -300, -400, -500 |
| Boeing 737 NG | 2 CFM56-7 | k. A. | 180 [ 37.4 ] | k. A. | Varianten -600, -700, -800, -900 |
| Boeing 737MAX | 2 CFM LEAP | 180 [ 44 ] | k. A. | 180 [ 44 ] | alle Varianten |
| Boeing 747 -400 | 4 (alle) | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | |
| Boeing 747 -8I | 4 GEnx-2B | 330 [ 45 ] [ 46 ] | >180 [ 37.4 ] | k. A. | |
| Boeing 757 | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.4 ] | k. A. | alle Varianten |
| Boeing 767 | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.4 ] | k. A. | alle Varianten |
| Boeing 777 | 2 (alle) | 330 [ 47 ] [ 48 ] | >180 [ 37.4 ] | k. A. | Varianten -200ER, -200LR -300ER |
| Boeing 777 F | 2 GE90 | 330 [ 47 ] | >180 [ 37.4 ] | k. A. | 777 Freighter |
| Boeing 777 -300 | 2 (alle) | k. A. | 180 [ 37.4 ] | k. A. | nur 777-300 |
| Boeing 787 | 2 (alle) | 330 [ 49 ] [ 50 ] [ 51 ] [ 52 ] | >180 [ 37.4 ] | k. A. | alle Varianten |
| Bombardier Global 5000 | 2 RR BR710 | k. A. | k. A. | 180 [ 32 ] [ 33 ] | GeschÀftsreiseflugzeug |
| Embraer Lineage 1000 | 2 GE CF34 | k. A. | k. A. | 120 [ 30 ] | GeschÀftsreiseflugzeug |
| Lockheed TriStar | 3 RR RB211 | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | |
| McDonnell Douglas DC-10 | 3 (alle) | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | |
| McDonnell Douglas MD-11 | 3 (alle) | k. A. | frei [ 37.2 ] | k. A. | |
| McDonnell Douglas MD-80 | 2 JT8D | k. A. | 120 [ 21.2 ] | k. A. | |
ErlÀuterung:
âą (alle) = alle Triebwerksvarianten haben gleiche Zulassung
âą >180 = âbeyond 180 minutesâ
âą k. A. = keine Angaben vorhanden
âą frei = keine ETOPS-Zertifizierung erforderlich (freie Wahl der Route)
ETOPS fĂŒr die Wartung
Die ETOPS-Vorschriften regeln ebenso die WartungsaktivitĂ€ten fĂŒr eine Fluggesellschaft. Dabei werden alle ETOPS-kritischen Komponenten und AktivitĂ€ten identifiziert, die Vorgehensweise und die Verantwortlichkeiten festgelegt und in einem Wartungsprogramm niedergeschrieben. Dieses Wartungsprogramm wird von der verantwortlichen Luftfahrtbehörde kontrolliert und freigegeben. Nun mĂŒssen alle WartungsmaĂnahmen an Flugzeugen, die fĂŒr ETOPS-FlĂŒge benutzt werden, im Einklang mit diesem Wartungsprogramm stattfinden.
Ziel der Vorschriften ist es, das Risiko eines Triebwerksausfalles auf einem niedrigen konstanten Wert zu halten, selbst wenn sich die ETOPS-Zeiten immer weiter verlÀngern.
Dabei können Vorgaben und Dokumente der Flugzeug- und Triebwerkshersteller fĂŒr die eigene Dokumentation konsultiert und ĂŒbernommen werden.cite-ref-73[53.1]
Formal gelten Vorgaben fĂŒr ETOPS-relevante Wartung nur fĂŒr Flugzeuge mit zwei Triebwerken.cite-ref-74[53.2]
Beispiele fĂŒr solche Vorgaben sind:
âą Der Ălverbrauch eines Triebwerks sollte nicht nur ausgeglichen, sondern stattdessen protokolliert und analysiert werden. Diese Informationen sind die Grundlage zur Ăberwachung und Bewertung des Zustandes der Triebwerke. So kann durch rechtzeitige Reparatur ein Ausfall wĂ€hrend des Fluges vermieden werden.cite-ref-75[53.3]
âą Die Liste der Ersatzteile umfasst unter anderem die Klassifizierung, ob das Bauteil ETOPS-zugelassen ist oder nicht, und ob das Bauteil ĂŒberhaupt ETOPS-relevant ist. Das beeinflusst ebenso die Ersatzteil-Lagerhaltung. Ein nicht-ETOPS-zugelassenes Bauteil darf eingebaut werden, allerdings verliert dann das betroffene Flugzeug seine ETOPS-Zertifizierung, bis das ETOPS-zugelassene Bauteil nachgerĂŒstet wurde.cite-ref-76[53.4]
âą Bei vielen ZwischenfĂ€llen ist die Fluggesellschaft dazu verpflichtet, innerhalb einer gegebenen Frist (z. B. 72 Stunden) an die Luftfahrtbehörde eine Meldung zu erstellen. Gleichzeitig mĂŒssen die Fehlerursache gefunden und GegenmaĂnahmen ergriffen werden, damit ein solcher Zwischenfall (aus diesem Grund) nicht erneut passiert. Solche ZwischenfĂ€lle umfassen unter anderem: TriebwerksausfĂ€lle; Umleitungen (unabhĂ€ngig von der Ursache) und nachfolgende (Sicherheits-)Landungen auf FlughĂ€fen, die nicht das eigentliche Flugziel waren; Ausfall einer ETOPS-relevanten Komponente sowie Steuerungsausfall der Triebwerke.cite-ref-77[53.5]
âą Die APU (das Hilfsaggregat) ist eine wichtige Komponente fĂŒr ETOPS. Es muss sichergestellt werden, dass sie jederzeit, auch unter widrigen Bedingungen, mit 95 % ZuverlĂ€ssigkeit gestartet werden kann. Dies muss durch regelmĂ€Ăige Tests belegt werden. Diese Tests mĂŒssen protokolliert und der Luftfahrtbehörde gemeldet werden.cite-ref-78[53.6]
âą Es muss sichergestellt werden, dass Flugzeugkomponenten, die âparallelâ betrieben werden (wie beispielsweise die zwei Triebwerke an einem zweistrahligen Flugzeug), nicht mit âidentischen oder Ă€hnlichen WartungsmaĂnahmenâ bearbeitet werden (âsignificant parallel systems are not subject to identical or similar maintenance activitiesâ). Damit soll vermieden werden, dass systematische Fehler an redundanten Systemen zur Folge haben, dass beide Systeme gleichzeitig im Flug ausfallen. GegenmaĂnahmen könnten sein, die Wartung der zwei Triebwerke zu unterschiedlichen Zeiten durchzufĂŒhren, sie zwei unterschiedlichen Technikern zuzuweisen oder vollstĂ€ndige FunktionsprĂŒfungen an diese Wartung anschlieĂen zu lassen. Ein solcher Funktionscheck ist Teil des Wartungsprogramms (und damit durch die Luftfahrtbehörde genehmigt). Das Ergebnis muss dokumentiert werden.cite-ref-79[53.7]
âą Das Wartungspersonal muss fĂŒr ETOPS spezielle Schulungen durchlaufen. Diese Schulungen sollten in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden, ggf. in aktualisierter Form, wiederholt und/oder vertieft werden.cite-ref-80[53.8]
âą Die Fluggesellschaft muss die Konfiguration ihrer Flugzeuge berĂŒcksichtigen und ist verantwortlich fĂŒr die korrekte Verwendung ihrer Flotte.cite-ref-81[53.9] In diesem Zusammenhang gab es einen Zwischenfall bei American Airlines, die in ihrer Flotte von Airbus A321 sowohl Maschinen hatte, welche ETOPS-FlĂŒge nach Hawaii durchfĂŒhren durften, als auch solche, die es nicht durften. Im September 2015 wurde ein Flug mit einem fĂŒr diese Verbindung nicht zugelassenen Flugzeug durchgefĂŒhrt. FĂŒr den RĂŒckflug musste ein (zugelassenes) Ersatzflugzeug ĂŒberfĂŒhrt werden, und die nicht zugelassene Maschine musste leer zurĂŒckfliegen.cite-ref-aero-aa-hawaii-82-0[54]
Als die Fluggesellschaften diese strengen Vorgaben fĂŒr die Wartung umgesetzt haben, konnten sie ĂŒberraschend hohe Kosteneinsparungen beobachten.cite-ref-83[7.2] Zu dieser Zeit wurden die Kosten fĂŒr einen Triebwerksausfall wĂ€hrend des Fluges auf durchschnittlich 850.000 US-Dollar geschĂ€tzt. Ein Drittel der TriebwerksausfĂ€lle ĂŒberstieg die Kosten von einer Million US-Dollar. Die Kosten eines Triebwerksausfalls konnte den Jahresertrag eines Flugzeugs ĂŒbersteigen.cite-ref-84[7.3]cite-ref-orf-swiss-iqaluit-85-0[55]cite-ref-rp-iqaluit-86-0[56] Deshalb haben die Fluggesellschaften diese Wartungsprozeduren auf nicht-ETOPS-Flugzeuge ĂŒbertragen.cite-ref-87[7.4]
ETOPS fĂŒr die Flugplanung
Die ETOPS-Regelungen erstrecken sich darĂŒber hinaus auf die Flugplanung und die DurchfĂŒhrung von FlĂŒgen. Damit soll sichergestellt werden, dass genĂŒgend Sicherheitsreserven bleiben, falls wegen eines Triebwerksausfalls einer der AusweichflughĂ€fen angeflogen werden muss. Die Regeln geben der Flugplanung eine Hilfe an die Hand, damit alle notwendigen Aspekte berĂŒcksichtigt werden und nichts vergessen wird. Das umfasst beispielsweise, die Informationen ĂŒber das Wetter einzuholen, AusweichflughĂ€fen auszuwĂ€hlen und deren VerfĂŒgbarkeit zu prĂŒfen, die Flugroute festzulegen,cite-ref-88[19.3] die Piloten zu informieren, was auf diesem Flug in Bezug auf ETOPS zu beachten istcite-ref-89[19.4] und den Kerosinbedarf zu berechnen.cite-ref-90[19.5] Alle diese Schritte werden im Detail geregelt. Diese Regeln speisen sich unter anderem aus den Erfahrungen der Vergangenheit (insbesondere durch ZwischenfĂ€lle), damit vor jedem Flug alle Erfahrungen BerĂŒcksichtigung finden.
Details beziehen sich beispielsweise auf die Berechnung der Geschwindigkeit und der damit zurĂŒckgelegten Distanz abhĂ€ngig von den Wetter- und Windbedingungen und die damit verbundene Routenplanungcite-ref-91[19.6] sowie die Frage, welche FlughĂ€fen als AusweichflughĂ€fen zur VerfĂŒgung stehen und welche Eigenschaften sie haben mĂŒssen.cite-ref-92[19.7]cite-ref-93[19.8] Es gibt drei verschiedene Strategien, mit denen ein Ausweichflughafen erreicht werden kann: einerseits fĂŒr minimierten Kerosinverbrauch, oder das Ăberfliegen hoher Hindernisse (Hochgebirge), sowie eine spezielle Strategie mit der Bezeichnung âEDTO (Extended Diversion Time Operations) strategyâ.cite-ref-94[19.9] Im Voraus wird auch festgelegt, ab welchen Punkten der Route der nĂ€chste Ausweichflughafen angeflogen werden sollte, den Equal Time Points (ETP). Diese können sich abhĂ€ngig von der Windsituation verschieben.cite-ref-95[19.10] Derjenige ETP, fĂŒr den der gröĂte Kerosinbedarf besteht, ist der Critical Point. Das ist meistens der ETP zum letzten Ausweichflughafen. FĂŒr diesen Punkt muss der Kerosinvorrat berechnet werden.cite-ref-96[19.11]
Geschichte
Bis 1985: Vor-ETOPS-Ăra
Bereits 1935 hat das Bureau of Air Commerce (ein VorlĂ€ufer der FAA) in den USA Sicherheitsvorschriften fĂŒr den Flugverkehr erlassen: NachtflĂŒge ĂŒber zerklĂŒftetem GelĂ€nde durften nur noch von solchen mehrmotorigen Flugzeugen durchgefĂŒhrt werden, die selbst dann noch flugfĂ€hig waren, wenn nur noch ein Triebwerk funktionierte.cite-ref-97[7.5] Ein Jahr spĂ€ter, 1936, wurde schon eine Vorschrift erlassen, die der spĂ€teren 60-Minuten-Regel Ă€hnelt: Flugzeuge mit nur zwei kolbenmotorgetriebenen Propellern mussten nachweisen, dass sich auf der Flugroute mindestens alle 100 Meilen ein adĂ€quater Flugplatz befindet.cite-ref-97-1[7.5] FĂŒr Flugzeuge dieser Generation entsprachen 100 Meilen etwa einer Stunde Flugzeit.
Zu damaliger Zeit wurden alle Flugzeuge von Propellern in Verbindung mit Kolbenmotoren angetrieben. Die ZuverlĂ€ssigkeit solcher Antriebe war begrenzt, die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch. Nach der Entwicklung immer leistungsfĂ€higerer Kolbenmotoren war deutlich geworden, dass die ZuverlĂ€ssigkeit noch weiter sinkt, je leistungsfĂ€higer die Triebwerke werden. Obwohl sich die Ausfallwahrscheinlichkeiten der Triebwerke bei einem Flugzeug mit mehreren Triebwerken addieren (eine viermotorige Maschine hat die vierfache Ausfallwahrscheinlichkeit eines einzelnen Motors, eine zweimotorige nur eine doppelte), ist die ZuverlĂ€ssigkeit der viermotorigen Maschine gröĂer.cite-ref-98[4.6]
Die Lockheed Super Constellation bekam scherzhaft den Beinamen âbeste Dreimotorige der Weltâ, da sie oft mit nur drei funktionsfĂ€higen Motoren landete, weil einer von den vier installierten Motoren wĂ€hrend des Fluges ausgefallen war.cite-ref-jungfrau-connie-99-0[57]cite-ref-faz-connie-100-0[58]cite-ref-spon-connie-101-0[59] AuĂerdem sind einige schwere FlugunfĂ€lle zu der Zeit auf mehrfache TriebwerksausfĂ€lle zurĂŒckzufĂŒhren, z. B. der Flying-Tiger-Line-Flug 923, bei dem drei von vier Triebwerken wĂ€hrend eines Fluges ausgefallen waren und die Maschine im Atlantik notwassern musste, oder Pan-Am-Flug 6, der im Pazifik notlanden musste und von dessen Notwasserung sogar Filmaufnahmen der United States Coast Guard existieren.cite-ref-yt-panam6-102-0[60]
Aus diesem Grund wurde 1953 von der FAA die Regel aufgestellt, dass fĂŒr Flugzeuge mit weniger als vier Triebwerken die Flugrouten so gewĂ€hlt werden mĂŒssen, dass zu jedem Zeitpunkt des Fluges ein Ausweichflughafen innerhalb von 60 Minuten mit entsprechend reduzierter Leistung erreicht werden kann. Damit wurden zwei- und dreimotorige Flugzeuge fĂŒr (damalige) LangstreckenflĂŒge von viermotorigen Maschinen verdrĂ€ngt.cite-ref-103[7.6]
Ebenfalls 1953 hat die ICAO eine Empfehlung herausgegeben, die fĂŒr alle Flugzeuge eine maximale Entfernungszeit von 90 Minuten festgelegt hatte. Dabei konnte eine Ausnahme gemacht werden, wenn das Flugzeug mit zwei ausgefallenen Triebwerken noch eine bestimmte LeistungsfĂ€higkeit hatte. Diese Ausnahmeregelung konnte fĂŒr Flugzeuge mit insgesamt zwei Triebwerken folglich nicht in Anspruch genommen werden.cite-ref-104[7.7]
Mit der EinfĂŒhrung strahlgetriebener Flugzeuge hat sich die ZuverlĂ€ssigkeit der Luftfahrt deutlich verbessert. Den neuen vierstrahligen Quad-Jets wie Boeing 707 wurden die EinschrĂ€nkungen angesichts der ZuverlĂ€ssigkeit der Turbinen erlassen, so dass die FlĂŒge kaum noch sicherheitsbedingte Umwege nehmen mussten und ihre groĂe Reichweite auch kommerziell ausnutzen konnten. Den kleineren zweistrahligen Twin-Jets wie Boeing 737 mit sowieso kleinerer Reichweite war dies noch verwehrt.
Obwohl im Transatlantikverkehr das Verkehrsaufkommen erheblich gestiegen ist, ist die Gesamtanzahl der FlugunfĂ€lle gesunken. Dabei war zu beobachten, dass sich die Rate, mit der die FlugunfĂ€lle gesunken sind, proportional zur EinfĂŒhrung strahlgetriebener Flugzeuge verhielt.cite-ref-105[7.8] DarĂŒber hinaus ist bei Strahltriebwerken die ZuverlĂ€ssigkeit nicht abhĂ€ngig von der installierten Leistung.cite-ref-106[4.7]
Die FAA hat 1964 dreistrahlige Jets von der 60-Minuten-Regelung ausgenommen.cite-ref-107[20.2] Dreistrahler konnten damit eine beliebige Route wÀhlen und brauchten keine HöchstabstÀnde zu AusweichflughÀfen mehr einzuhalten. Auslöser waren die guten Erfahrungen mit der gerade neu zugelassenen Boeing 727, der in der Analyse Àhnlich gute ZuverlÀssigkeit bescheinigt wurde wie vierstrahligen Maschinen. Die Dreistrahler Lockheed TriStar und Douglas DC-10 sind von dieser Freigabe inspiriert worden.cite-ref-108[7.9]
Nach der Zulassung des Airbus A300 in der Variante A300B2 am 15. MĂ€rz 1974 gab es den ersten zweistrahligen Jet, der mit Triebwerken mit hohem NebenstromverhĂ€ltnis ausgestattet war. FĂŒr drei- und vierstrahlige Jets gab es zu dieser Zeit keinerlei Unterschiede zwischen US- und anderen Fluggesellschaften, aber fĂŒr die A300 galt: auĂerhalb der USA konnte dieser Jet nach der ICAO-90-Minuten-Regel fliegen, US-Gesellschaften waren an die 60-Minuten-Regel der FAA gebunden. Deshalb haben die US-Fluggesellschaften Druck auf die FAA ausgeĂŒbt, diese Regeln fĂŒr die A300 zu lockern, um wettbewerbsfĂ€hig bleiben zu können. Deshalb wurde der A300 von der FAA 1977 zunĂ€chst ein Bonus von 15 Minuten fĂŒr den Karibikraum gegeben, was heute einer regional begrenzten ETOPS-75-Regel entsprechen wĂŒrde.cite-ref-109[7.10] Die hohe ZuverlĂ€ssigkeit der A300-Triebwerke lieĂ dies ohne SicherheitseinbuĂen zu.cite-ref-flymag-a300-110-0[61]
1985 bis 2007: ETOPS fĂŒr Flugzeugtypen mit zwei Triebwerken
Nach dem Erfolg der A300 entwickelte Boeing die Typen 757 und 767, die im Interesse der Wirtschaftlichkeit ebenfalls zweistrahlig ausgelegt wurden. Besonders fĂŒr den verkehrsstarken Transatlantikdienst konnten mit diesen Flugzeugen mehr Direktverbindungen zu niedrigeren Betriebskosten (als mit einem Jumbo Jet) angeboten werden.cite-ref-111[7.11] Boeing hat sich daraufhin ab dem Jahr 1980 fĂŒr eine Lockerung der 60-Minuten-Regel fĂŒr Zweistrahler bei der FAA starkgemacht. Nachdem in den folgenden Jahren kein Unfall durch Triebwerksausfall beobachtet wurde, stattdessen alle UnfĂ€lle auf andere GrĂŒnde zurĂŒckzufĂŒhren waren, wurde die TriebwerkszuverlĂ€ssigkeit moderner Mantelstromtriebwerke als ausreichend erachtet und 1985 die ersten ETOPS-Zulassungen erteilt. Sogar Statistiken ĂŒber militĂ€rische FlĂŒge mit zweistrahligen Maschinen wurden in die Betrachtungen einbezogen.cite-ref-112[7.12] ZunĂ€chst wurden Zulassungen bis maximal 120 Minuten erteilt.
In den Folgejahren wurde die ZuverlĂ€ssigkeit der Triebwerke gemessen und analysiert. Aus diesen Erfahrungswerten konnte ab 1988 der Grenzwert fĂŒr einige Flugzeugtypen und Triebwerke auf 180 Minuten angehoben werden.
Im Jahr 2002 hat Airbus auf der Luftfahrtmesse in Farnborough am Ende der Startbahn ein Werbebanner installieren lassen mit der Aufschrift: â4 engines 4 long-haulâ (dt.: vier Triebwerke fĂŒr LangstreckenflĂŒge), um den Airbus A340 anzupreisen. Die A340 ist mit vier Triebwerken ausgestattet und damit von EinschrĂ€nkungen bei der Routenplanung befreit; der Konkurrent Boeing hatte mit der Boeing 777 ein wirtschaftlicheres Flugzeug im Angebot, das mit nur zwei Triebwerken ausgestattet ist.cite-ref-spi-conflict-115-0[64] Diesen Werbespruch hat die Virgin Atlantic Airways ĂŒbernommen und auf alle ihre Flugzeuge geschrieben, da diese Fluggesellschaft zu dieser Zeit ausschlieĂlich vierstrahlige Maschinen betrieb und sie ausschlieĂlich im Langstreckendienst einsetzte.cite-ref-cptlim-virgin-116-0[65]cite-ref-roon-virgin-117-0[66] Nachdem Virgin Atlantic die ersten zweistrahligen Maschinen bestellt hatte, wurde 2007 dieser Spruch von den Flugzeugen entfernt.cite-ref-spi-end-118-0[67]
2007 bis jetzt: ETOPS fĂŒr alle Flugzeuge
Die FAA hat 2007 ihre ETOPS-Regularien grundlegend ĂŒberarbeitet. Seitdem sind alle turbinengetriebenen Flugzeugtypen in das ETOPS-System einbezogen, unabhĂ€ngig von der Zahl ihrer Triebwerke. Grund dafĂŒr ist, dass die ZuverlĂ€ssigkeit der Triebwerke nicht von ihrer Leistung abhĂ€ngt und deshalb zweistrahlige Maschinen nicht weniger zuverlĂ€ssig sind als Vierstrahler. Vielmehr ist die Wahrscheinlichkeit eines einzelnen Triebwerksausfalls bei vier Triebwerken doppelt so hoch wie bei zwei. Damit mĂŒssen nun Flugzeuge mit vier Triebwerken ebenfalls eine ETOPS-Zertifizierung anstreben.
Der Airbus A380, der neueste vierstrahlige Flugzeugtyp von Airbus, hatte seinen Erstflug am 27. April 2005 und seine Zulassung am 12. Dezember 2006 und fĂ€llt damit nicht unter die ETOPS-Regelung. Der erste Flugzeugtyp mit vier Triebwerken, fĂŒr den eine ETOPS-Zertifizierung erforderlich wurde, war die Boeing 747-8, die ihren Erstflug am 8. Februar 2010 hatte und fĂŒr die die Zulassung am 19. August 2011 erfolgte.cite-ref-prnw-747-8-64-1[45]cite-ref-boeing-747-8-65-1[46]
2009 hat die EASA dem Airbus A330 die ETOPS-Zertifizierung von âbeyond 180 minutesâ (mehr als 180 Minuten) erteilt. Damit war die A330 der erste Flugzeugtyp, der diese Grenze ĂŒberschritten hat.cite-ref-airbus-a330-119-0[68]
Die ICAO hat ihrerseits ihre ETOPS-Regelungen 2012 grundlegend ĂŒberarbeitet. Dabei erfolgte eine Umbenennung in EDTO. Die ICAO hat (so wie die FAA fĂŒnf Jahre zuvor) die Regelungen auf drei- und vierstrahlige Flugzeugtypen ausgeweitet. Allerdings wird von der ICAO nach wie vor keine Zertifizierung fĂŒr vierstrahlige Flugzeugtypen verlangt, nur das FeuerunterdrĂŒckungssystem wird betrachtet und davon die ETOPS-Zeitgrenze abgeleitet.cite-ref-120[37.5]
Nach der Indienststellung am 26. Oktober 2011 hatte die Boeing 787 zunĂ€chst eine ETOPS-Zulassung von 330 Minuten bekommen.cite-ref-aviweek-t1000b787-70-1[51]cite-ref-ge-787-121-0[69] Nachdem sich wĂ€hrend des Linienbetriebs mehrere schwerwiegende Pannen ereignet hatten, hat die FAA diesen Flugzeugtyp am 16. Januar 2013 mit einem Flugverbot belegt.cite-ref-orf-787-timeline-122-0[70] Als dieses im April 2013 wieder aufgehoben war, wurde eine deutlich niedrigere ETOPS-Zulassung von 180 Minuten ausgesprochen.cite-ref-aerotel-787-123-0[71] Erst im Mai 2014, also mehr als ein Jahr spĂ€ter, hat die FAA die ursprĂŒngliche Zertifizierung von 330 Minuten wieder in Kraft gesetzt.cite-ref-at-787-124-0[72]cite-ref-mw-787-68-1[49]cite-ref-boeing-787-69-1[50]
Mit der Zulassung des Airbus A350 im Januar 2015 wollte Airbus ursprĂŒnglich eine ETOPS-Zulassung von 420 Minuten erreichen.cite-ref-aero-a350-125-0[73] Dieses Bestreben wurde spĂ€ter jedoch fallen gelassen.cite-ref-ausavi-a350-126-0[74] Die A350 hat eine Zulassung von 370 Minuten (sechs Stunden zehn Minuten) bekommen,cite-ref-airbus-a350-127-0[75] was immer noch der bislang höchste Wert ist und nur noch sehr wenig EinschrĂ€nkungen auf dem Globus bedeutet, solange alle AusweichflughĂ€fen offen sind.
Im August 2017 hat ein Team von Testpiloten wĂ€hrend eines 18-stĂŒndigen ETOPS-Zertifizierungsfluges fĂŒr das neue Trent 1000-TEN-Triebwerk die Silhouette eines Dreamliner-Flugzeugs ĂŒber den ganzen nordamerikanischen Kontinent âan den Himmel gemaltâ. Solche speziellen Flugrouten lassen sich gut auf Flighttracker-Apps wie Flightradar24 nachverfolgen.cite-ref-faz-787trace-128-0[76]cite-ref-yt-787trace-129-0[77]cite-ref-fr24-787trace-130-0[78]
Kritik
Die Unfalluntersuchungsbehörde von Finnland kritisiert, dass manche ETOPS-Zeiten nun schon fĂŒnf Stunden betragen, jedoch der Stimmenrekorder nach wie vor nur zwei Stunden aufzeichnet. Das heiĂt, nach einem Zwischenfall, der unter Ausnutzung der ETOPS-Zeit mit einer erfolgreichen Landung auf einem Ausweichflughafen abgeschlossen wird, kann die Ursache fĂŒr den Zwischenfall nicht mehr im Stimmenrekorder nachvollzogen werden.cite-ref-siaf-a330-131-0[79]
Die Organisation fĂŒr die Fluggastrechte in den USA FlyersRights.org kritisiert die lange ETOPS-Zulassung der Boeing 787 und fordert, diese auf ETOPS-120 zu begrenzen. Als Argument wird die groĂe Anzahl schwerer ZwischenfĂ€lle wĂ€hrend der Zulassungsphase und zu Beginn des kommerziellen Betriebs mit FluggĂ€sten angefĂŒhrt.cite-ref-frorg-memo-132-0[80]cite-ref-frorg-lh-133-0[81]
Weblinks
Commons
: ETOPS
â Sammlung von Bildern
âą Great Circle Mapper â Mit ETOPS-Radien. Verwendung: Flug eingeben (z. B. FRA-HKG), dann MAP-Button drĂŒcken, dann ETOPS auswĂ€hlen (englisch)
âą Great Circle Mapper FAQ zu ETOPS, allerdings nicht ganz aktuell (englisch)
PrimÀrquellen
ICAO
âą Annex 6 â Operation of Aircraft vom Juli 2010 (PDF; 1,4 MiB)
âą Annex 8 â Airworthiness of Aircraft vom Juli 2010 (PDF; 631 KiB)
EASA
âą AMC 20-6 rev. 2 Annex II to ED Decision 2010/012/R (PDF; 328 KiB)
FAA
âą 14 CFR Part 121 â OPERATING REQUIREMENTS: DOMESTIC, FLAG, AND SUPPLEMENTAL OPERATIONS
âą 14 CFR Part 135 â OPERATING REQUIREMENTS: COMMUTER AND ON DEMAND OPERATIONS AND RULES GOVERNING PERSONS ON BOARD SUCH AIRCRAFT
Zusammenfassungen
âą J. Angelo DeSantis: Engines Turn or Passengers Swim: A Case Study of How ETOPS Improved Both Safety and Economics in Aviation. (PDF; 530 KiB) University of California, Davis â School of Law, 21. November 2013, abgerufen am 14. Januar 2017 (englisch).
âą Overview of new ETOPS / LROPS / EDTO rules. (PDF; 4822 KiB) Airbus, 21. Oktober 2011, archiviert vom Original am 4. Februar 2017; abgerufen am 17. Januar 2017 (englisch).
âą SAM Workshop on Extended Diversion Time Operations (EDTO). ICAO, 30. September 2014, abgerufen am 10. Juli 2017 (englisch).
âą Mike Mock: ETOPS Flight Operations Overview. (PDF; 16,7 MiB) aviationenglish.club, abgerufen am 4. Februar 2017 (englisch).
Einzelnachweise
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2. Getting to Grips with ETOPS. Issue V Auflage. Airbus, Oktober 1998 (englisch, co.uk [PDF]).
cite-note-43. â Anm.: Mit âeinem Triebwerksausfallâ ist der Ausfall genau eines Triebwerks gemeint.
4. EDTO Module 8 â Continued surveillance. (PDF; 856 KiB) In: EDTO Workshop. ICAO, 3. Oktober 2014, abgerufen am 14. Oktober 2016 (englisch).
cite-note-aan-95. ETOPS in AllAcronyms. allacronyms.com, abgerufen am 24. Februar 2015 (englisch).
6. J. Angelo DeSantis: Engines Turn or Passengers Swim: A Case Study of How ETOPS Improved Both Safety and Economics in Aviation. (PDF; 530 KiB) University of California, Davis â School of Law, 21. November 2013, abgerufen am 14. Januar 2017 (englisch).
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